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Neunerköpfle:
Zwischen Haldensee und Vilsalpsee
Neunerköpfle Abbildung 1
Abb. 1

Zwei größere, hoch in den Bergen gelegene Seen, der Haldensee und der Vilsalpsee, sind in den immer heißer werdenden Sommermonaten ein ausschlaggebender Grund für Touristen, ihren Urlaub im Tannheimer Tal zu verbringen. Genau zwischen den beiden Seen liegt mit dem Neunerköpfle (1.862 m, Abb. 1) das Gipfelziel des nachfolgenden Wandertipps. Ambitionierte Bergwanderer verzichten auf die Gondelbahn vom Ort Tannheim für die Berg- bzw. Talfahrt, sondern wandern auf einem der Wege hinauf zu einem der schönsten Aussichtsplätze im Nordwesten von Nordtirol. Zugegeben, speziell an heißen Tagen ist die Liftfahrt – zumindest talwärts – zu überlegen!

Ausgangspunkt unserer Wanderung ist der höchstgelegene, gebührenpflichtige Parkplatz (ca. 1.120 m) im Tannheimer Ortsteil Schmieden, von dem man die steilen, zu bezwingenden Waldhänge (Abb. 2) gut überblicken kann. Einige Minuten marschieren wir Richtung Osten bereits leicht ansteigend – zweimal zweigt dabei rechts ein Spazierweg zum Vilsalpsee ab – auf einer asphaltierten Straße, die nach einem Rechtsbogen in eine Forststraße übergeht. Bald nach der ersten Serpentine zweigt rechts ein ebenfalls markierter, steiler und oft steiniger, aber unschwierig zu begehender Steig (Nr. 30) von der Forststraße ab, auf dem man etwas schneller zu unserem ersten Zwischenziel, der Usseralpe (1.633 m), aufsteigen könnte. Wir aber bleiben auf der Forststraße und erreichen nach wenigen Schritten in einer Linkskurve ein erstes Highlight auf unserer Wanderung, den Urfall (Abb. 3). Wer will, kann sich über eine Brücke und über Stufen dem Wasserfall nähern. Kurz darauf mündet von links ein Steig, der bei der Talstation der Neunerköpflebahn beginnt, in unsere Forststraße. Mit einigen Serpentinen schraubt sich diese – selten sehr steil – die Waldhänge aufwärts. An einigen Stellen genießt man einen schönen Blick Richtung Süden ins Vilsalptal taleinwärts (Abb. 4). Nach etwa 40–45 Minuten vom Ausgangspunkt kommen wir zu einer Abzweigung, bei der man links zur Hubertushütte aufsteigen könnte. Wir werden diesen steilen Steig später zum Abstieg verwenden.

Wir wandern nun weiter auf der Forststraße Richtung Süden, wobei auf einer Lichtung die Wiesen der Usseralpe (Abb. 5) erstmals hoch über uns zu sehen sind. Auch erblicken wir zum ersten Mal das Gipfelkreuz des Neunerköpfles (Abb. 6). Gleich nach einer scharfen Rechtskurve mit einem kleineren Wasserfall kommen wir zu einer der vielen Rastbänke auf dem Weg zur Usseralpe, von der man die sehr schöne Aussicht Richtung Norden (Abb. 7) zum Ort Tannheim, zum in Ost-West-Richtung verlaufenden Tannheimer Tal und zur markanten Felsspitze des Einsteins (1.866 m) genießen kann. Wir gelangen hier rechts etwas erhöht in das Tal des Usseralpbachs. Nach rund 85–90 Minuten mündet der weit unten abzweigende Steig wieder in unsere Forststraße. Wahlweise auf der Forststraße oder auf dem parallel verlaufenden Steig – diese treffen nach rund 5 Minuten bei einer Holzbrücke wieder aufeinander – gewinnen wir an Höhe. Ab dieser Einmündung des Steigs geht es nun nur noch auf der Forststraße mit einigen Serpentinen weiter aufwärts. Vom unteren Ende des Almgebietes (Abb. 8) erblicken wir erstmals die in den Sommermonaten bewirtschaftete und bei den Wanderern sehr beliebte Usseralpe (Abb. 9), die wir vom Ausgangspunkt bei Benützung der Forststraße nach etwa 1¾–2,0 Stunden erreichen. Von der Terrasse genießt man ebenfalls einen schönen Blick Richtung Norden ins Tannheimer Tal.

Für den weiteren Aufstieg muss man sich jetzt erneut zwischen der Forststraße und dem Steig entscheiden. Diesmal wählen wir den Steig, der links hinter der Almwirtschaft über steiles Wiesengelände (Abb. 10) zwischen Felsen zum Teil nun um einiges steiler – zunächst mit einer größeren und später einigen kleineren Serpentinen – aufwärtsführt. Hier trifft man oft Wanderer, die mit dem Lift zur Bergstation hinaufgefahren sind, in einer Rundtour über den Gipfel zur Usseralpe absteigen und dann über die Forststraße zur Bergstation zurückkehren. Der Steig ist an manchen Stellen ausgewaschen, schmäler und steiniger, ist aber im Großen und Ganzen mit genügend Trittsicherheit und auch Schwindelfreiheit problemlos begehbar. Man genießt am oberen Ende des steilen Wiesengeländes – kurz vor einigen steinigen Stellen – einen traumhaften Blick Richtung Norden (Abb. 11). Kurz bevor man nach ca. 30–35 Minuten von der Usseralpe den über den Gipfelkamm verlaufenden breiten Weg erreicht, erblickt man nochmals das Gipfelkreuz des Neunerköpfles (Abb. 12).

Wir biegen links in den breiten Kammweg ein und wandern leicht aufwärts Richtung Norden zu einer Wegteilung, bei der wir den rechten Weg wählen. Noch kurz aufwärts, dann kommt man zu einem ersten Aussichtsplatz der Extraklasse mit einigen Rastbänken. Richtung Nordosten ist der Haldensee – den Vilsalpsee sieht man leider bei dieser Tour überhaupt nicht – erstmals zu sehen, dahinter die felsigen Tannheimer Berge mit der Köllenspitze (2.238 m). Südlich von uns überblickt man sehr schön den weiteren Verlauf des Bergkamms mit zahlreichen kleineren und größeren Erhebungen (Abb. 13). Wir marschieren weiter Richtung Norden links vorbei am Vogelhörnle (1.882 m, Abb. 14), einer kleineren, bis zum höchsten Punkt bewaldeten Erhebung. Unserem Gipfel, der meist von „Liftfahrern“ gestürmt wird, bereits ganz nahe, kann man rechts mit wenigen Schritten zu einem oft menschenleeren Aussichtsplatz auf der Nordseite des Vogelhörnles (Abb. 15) aufsteigen. Rechts unter uns liegt ganz prächtig der Haldensee (Abb. 16) und dahinter die Tannheimer Berge. Vor uns der Gipfel des Neunerhörnles (Abb. 17) und etwas unterhalb die Gundhütte (1.784 m), die nächste Einkehrmöglichkeit auf unserer Wanderung, und dahinter der markante Aggenstein (1.987 m). In ein paar Minuten gelangt man – zuerst abwärts und dann nochmals aufwärts – zum künstlerisch gestalteten Gipfelkreuz auf dem Neunerköpfle (Abb. 18). Für den gesamten Aufstieg, bei dem man rund 750 Hm bewältigt hat, benötigt man ca. 2½–2¾ Stunden.

Der Rundblick ist sensationell: im Süden (Abb. 19) die Lechtaler Alpen, im Südwesten (Abb. 20) die schrofen Allgäuer Alpen, zu denen auch das Neunerköpfle zählt, und im Nordwesten (Abb. 21) Tannheim, die Tannheimer Berge und dem Einstein. Im Osten (Abb. 22) reicht der Blick bis zur Zugspitze (2.962 m), Deutschlands höchstem Berg!

Über einen zu Beginn mit Drahtseilen gesicherten, einen Felsen entlangführenden, leicht steinigen und steilen Weg (Abb. 23) geht es in knapp 10–15 Minuten vorbei an einem Absprungplatz für Paragleiter und der Bergstation der Kabinenbahn zur Gundhütte (Abb. 24). Dort zweigt links ein Weg zur Hubertushütte ab. Auf dem breiten, recht steilen Sandweg sollte man aufpassen, denn er kann recht rutschig sein. Nach rund 10 Minuten von der Gundhütte zweigt ein Wiesenpfad rechts vom Sandweg ab, der schnurgerade über eine zum Teil sehr steile Skipiste (Abb. 25) und entlang eines nur im Winter betriebenen Liftes zur bereits sichtbaren Hubertushütte führt. Hier ist auf jeden Fall Trittsicherheit nötig. Für den Weg von der Gundhütte zur Hubertushütte (Abb. 26) braucht man kaum mehr als 30 Minuten.

Der Abstieg setzt sich mit einer scharfen Linkswendung fort, ist zu Beginn fast eben und wird mit Erreichen einer weiteren Skipiste wieder deutlich steiler. Wir unterqueren Richtung Westen mit Blick ins Tannheimer Tal (Abb. 27) die Kabinenbahn und gelangen ins Waldgelände. Vorsichtig geht es über viele Baumwurzeln recht steil abwärts, bis wir nach ca. 25 Minuten von der Hubertushütte auf unsere beim Aufstieg verwendete Forststraße treffen, in die wir rechts einbiegen. Mit einigen Serpentinen geht es vorbei am Urfall und mit einem letzten Blick talauswärts ins Vilsalptal (Abb. 28) zurück zum Ausgangspunkt. Für den gesamten, wirklich steilen Abstieg muss man ca. 1½–1¾ Stunden einplanen.

HM/Zeit:
Von Schmieden (Ortsteil von Tannheim) über die Usseralpe auf das Neunerköpfle mit einer kleinen Gegensteigung kurz vor dem Gipfel rund 750 Hm in ca. 2½–2¾ Stunden (Aufstieg) bzw. über die Hubertushütte ungefähr 1½–1¾ Stunden (Abstieg).
Zeitraum:
Mai–Oktober
Anforderungen:
Technisch unschwierige, mittellange, beim Aufstieg nach der Usseralpe und beim gesamten Abstieg steile Wanderung auf Forstwegen, Steigen und Wiesenpfaden. Trittsicherheit und beim Aufstieg nach der Usseralpe auch Schwindelfreiheit sind ratsam!
Highlights:
Schöner Rundblick vom Gipfel des Neunerköpfle sowie an vielen Stellen unterwegs in die uns umgebende Tannheimer Bergwelt – speziell zum benachbarten Einstein –, zu den Lechtaler und Allgäuer Alpen und ins Tannheimer Tal zum Haldensee; der Urfall, der Haldensee und der Vilsalpsee
Anfahrt:
Bei Km 15,2 auf der durch das Tannheimer Tal führenden Bundesstraße B 199 (Verbindung Weißenbach an der Lech (B 198)/Reutte (B 179) zur österreichisch-deutschen Staatsgrenze auf dem Oberjochpass) biegt man Richtung Süden ab, fährt ca. 1,0 km durch den Ort Tannheim bis kurz vor den Schranken auf der Straße zum Vilsalpsee. Dort biegt man links ab und fährt etwa 200 m durch den Ortsteil Schmieden bis zum höchstgelegenen, gebührenpflichtigen Parkplatz.
Einkehr:
Usseralpe, Gundhütte, Hubertushütte, GH im Tannheimer Tal
Koordinaten Ausgangspunkt:
Referenzsystem ETRS89
Geogr. Länge/Breite: 10°31'23''/47°29'26''
Rechtswert (UTM): 614728 m (Zone: 32 N)
Hochwert (UTM): 5260792 m (Zone: 32 N)
BEV Plan:
ÖK50/2214
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